Oder kann diese Fütterung sogar schädlich sein?

Der immer noch aktuelle Trend in der Hundefütterung heißt getreidefrei und wird als Qualitätsmerkmal für eine besonders gesunde Ernährung unserer Hunde propagiert. Getreidefreies Futter lässt sich gut vermarkten, ist aber grundsätzlich nicht artgerechter oder gesünder, auch wenn es von einigen Futtermittelherstellern als universelle Lösung für verschiedene Gesundheitsprobleme verstanden wird. Sie argumentieren u.a. damit, dass Wölfe auch kein Getreide fressen. Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass Hunde im Laufe der Jahrtausende eine andere Ernährung entwickelt haben als Wölfe und sich im Zusammenleben mit dem Menschen an seine Ernährung angepasst haben. Daher können Hunde auch in gewissen Maßen Getreide gut vertragen. Mehr noch, sie sind bei bestimmten Diäten sogar eine wichtige Nahrungskomponente, wie beispielsweise bei einer Nierendiät. Dafür werden Nudeln oder Reis als leicht verdauliche und gut verfügbare Energiequelle eingesetzt, um die Nieren durch einen niedrigeren Protein- und Phosphorgehalt zu entlasten. Für eine gute Verwertbarkeit müssen sie allerdings sehr weich gekocht werden (Faustregel 15–20 min. länger als für den Menschen üblich).

Getreidefreie Fertigfuttersorten enthalten zwar kein Weizen, aber als Hauptzutat Kohlenhydrate, die in Form von Leguminosen, also Bohnen, Linsen und anderen Hülsenfrüchten sowie Kartoffeln zugesetzt werden. Damit möchte man trotz der Getreidefreiheit eine balancierte Nährstoffzusammensetzung im Futter erreichen.

In diesem Zusammenhang wurde insbesondere von Tierärzten in England beobachtet, dass die getreidefreie Ernährung das Risiko von dilatativen Herzmuskelerkrankungen (DCM) bei Hunden erhöhen kann. Gerade bei Rassen, die normalerweise nicht dazu neigen, wie beispielsweise Golden oder Labrador Retriever, häuften sich Fälle der mit DCM diagnostizierten Hunde. Die U.S. Food and Drug Administration (FDA) hat bereits eine Warnung herausgegeben. Eine Vermutung der FDA ist, dass das vermehrte Auftreten von DCM mit einem Taurinmangel in Verbindung gebracht werden könnte.

Die meisten der betroffenen Hunde profitierten von einer Ernährungsumstellung und Taurinsupplementation. Dennoch ist nicht abschließend geklärt, ob der reine Getreidemangel oder der überdurchschnittlich hohe Anteil an Leguminosen in der getreidefreien Ernährung zu einem Taurinmangel und damit zu einer DCM führen kann. Es wird bestimmt weitere Studien geben, die den Zusammenhang näher klären können. Eins ist aber klar: Hunde mit eindeutig diagnostizierten Weizen- oder Reisallergien sollten getreidefrei gefüttert werden, und in solchen Fällen wäre eine Ergänzung mit Taurin erforderlich. Ansonsten gilt es abzuwägen, ob die Ernährung wirklich getreidefrei sein muss.

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